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Fundgrube: Clipping
Clipping Stimmen zur Zeit Januar 2026 "Replicants are like any other machine. They're either a benefit or a hazard. If they're a benefit, it's not my problem." - Rick Deckard (Harrison Ford) |
Roboter (R)Evolution
↑ Martial arts robots dazzle at 2026 Spring Festival Gala (Februar 2026, YouTube) Chinas Frühlingsfest-Gala 2026 zeigte humanoide Roboter bei präzisen Kampfkunst-Choreografien – synchrone Wushu-Sequenzen, kraftvolle Bewegungsabläufe, stabiles Gleichgewicht. Gegenüber 2025, als Roboter noch in einfacheren Formationen auftraten und mit Taschentüchern winkten, war der Komplexitätsgrad spürbar höher. Was einst Science-Fiction war – Terminators metallische Unerbittlichkeit, die körperliche Perfektion von Blade Runners Replikanten – wirkt heute wie eine Blaupause für reale Entwicklungen. Die Show war Spektakel, doch hinter den Kulissen geht es längst um mehr: In chinesischen Fabriken arbeiten humanoide Roboter bereits als Kollegen am Fließband - und natürlich gibt es für jede derartige Technologie auch "Dual Use-Cases", wie dieses fast zwei Jahre alte Video zeigt...
↑ The Robot Dog With A Flamethrower, Thermonator (April 2024, YouTube) |
Wer hat/braucht ein Bewusstsein?
↑ Anthropic's CEO: ‘We Don’t Know if the Models Are Conscious’, Interesting Times with Ross Douthat (Februar 2026, YouTube) Anthropics CEO gibt offen zu: Wir wissen nicht, ob KI-Modelle bewusst sind. Diese Unsicherheit ist philosophisch ehrlich, denn Bewusstsein bleibt auch beim Menschen ungeklärt – das „Hard Problem" ist ungelöst. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen phänomenalem Bewusstsein (subjektives Erleben) und Zugriffsbewusstsein (Informationsverarbeitung). Es gibt grob zwei Lager. Die einen suchen Bewusstsein im Gehirn: Tononi & Boly meinen, es entsteht überall dort, wo Informationen stark miteinander verknüpft sind – was theoretisch auch für KI gelten könnte. Andere sehen es als eine Art zentrales „Schaltzentrum", das Wahrnehmungen bündelt und verfügbar macht. Das andere Lager fragt: Selbst wenn wir all das erklären – warum fühlt sich irgendetwas überhaupt nach etwas an? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Und genau dort liegt der Graben zwischen Gehirnforschung und dem, was Bewusstsein eigentlich ausmacht. Die eigentlichen Fragen, ob KI-Modelle ein Bewusstsein haben oder nicht, sind daher radikaler: Warum sollten wir Bewusstsein bei KI ausschließen, wenn wir es nicht erklären können? Und warum sollten Menschen überhaupt Bewusstsein haben? Vielleicht ist „Bewusstsein" selbst nur eine Konstruktion (unseres Gehirns). Und sollte es so sein, welche Effekte hat diese Erkenntnisse auf die KI-Debatte - und welche auf unsere menschlichen Moral-, Rechts- und Würdekonzepte. |
Die Klassiker sind zurück!
↑ The Physics of Choice (Oktober 2025, YouTube) Theorien wie die von Penrose und Hameroff (Orchestrated Objective Reduction) behaupten, Bewusstsein und freier Wille entstünden durch Quantenprozesse im Gehirn – spezifisch in den Mikrotubuli der Neuronen. Die Idee: Quantenüberlagerung ermöglicht ein „Mehr" an Verarbeitung, das klassische Physik nicht erklären kann, und genau dort sitzt das Bewusstsein. Adlam, McQueen und Waegell kommen nun zu einem anderen Ergebnis: Wenn ein System, das wirklich handelt und entscheidet, zwingend klassische Ressourcen benötigt – weil Quantensysteme keine Informationen kopieren können, die für Planung und Deliberation notwendig sind – dann kann Quantenmechanik allein nicht der Sitz von Agency sein. Und wenn keine Agency, dann auch kein freier Wille in dem Sinne, den diese Theorien versprechen. Kurz: Quantenmechanik macht Bewusstsein nicht freier oder reicher – sie macht es handlungsunfähig. Was wirklich entscheidet, muss klassisch sein. Das Quanten-Mysterium löst das Bewusstseinsproblem also nicht – es verschiebt es nur. |
Regelwerk als stille Entmündigung
↑ Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums (Januar 2026, YouTube) Das moderne Leben gleicht einem immer dichter werdenden Geflecht aus Vorschriften, Regeln und Anforderungen, die es zu erfüllen und zu beachten gilt. Was als Schutz des Einzelnen begannt, entwickelte sich zunehmend - vielfach algorithmisch beschläunigt - zur Einschränkung des autonomen Handelns jedes Einzelnen. Hartmut Rosa beschreibt in "Situation und Konstellation" genau diesen Wandel: Die Lehrerin, die keine Noten zur Ermutigung vergeben kann; die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt. Überall ersetzt konstellations-/regelbasierte Vollzugslogik das situationssensible Urteilen. Das Individuum wird zum bloßen Ausführenden fremder Systeme. Empathische, freie Entscheidung werden so immer seltener (möglich). So erodiert damit nach und nach die Grundlage authentischen Willens und die Fähigkeit zu eben diesem: Ohne echten Spielraum gibt es keine freie Handlung, sondern nur regulierte Reaktion. Mit dem Verschwinden des Spielraums schwindet auch die Handlungsenergie als solche – eine kollektive Ohnmacht. |
Bonus Track
↑ David Bowie warned us twice about the internet (1997–1999) (Februar 2026, YouTube) |
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