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Fundgrube: Clipping
Clipping Stimmen zur Zeit September 2026 Wenn der Mensch nicht über das nachdenkt, was in ferner Zukunft liegt, wird er das schon in naher Zukunft bereuen. - Konfuzius |
Posting Zero
↑ Why did our friends stop posting on social media? | BBC Global (Juli 2025, YouTube) Der US-Journalist Kyle Chayka, Redakteur beim Magazin The New Yorker, hat den Begriff „Posting Zero“ geprägt. Gemeint ist ein Verhalten, das sich in sozialen Netzwerken zunehmend zeigt: Gewöhnliche Nutzerinnen und Nutzer veröffentlichen keine persönlichen Inhalte mehr, nutzen die Apps aber weiter, scrollen durch Feeds und schauen Videos. Chayka beschreibt das Phänomen in seiner Kolumne auf Substack. Eigentlich würde man sich als vom Weltgeschehen erholungsbedürftiger Mensch schon gern auch mal berieseln lassen. Doch heute eine sogenannte soziale App zu öffnen, ist, als bekomme man Klärschlamm aus einem Feuerwehrschlauch ins Gesicht gespritzt. - Ciao, Gehirnfritteuse | Philipp Bovermann Als Hintergrund nennt Chayka unter anderem die Flut an KI-generierten Inhalten, professionell inszenierte Influencer-Beiträge und belastende Nachrichten. Eine Auswertung der Financial Times auf Basis von Daten des Marktforschungsinstituts GWI stützt die Entwicklung. Demnach erreichte die Nutzung sozialer Netzwerke im Jahr 2022 ihren Höhepunkt. Seitdem ist sie weltweit um rund zehn Prozent gesunken, am stärksten bei den 16- bis 24-Jährigen. Die Untersuchung umfasste rund 250.000 Erwachsene in mehr als 50 Ländern. |
Agentic Flooding
↑ AGENTIC FLOODING: Drowning Bureaucracy in AI Responses! (September 2026, YouTube) Unter dem Begriff Agentic Flooding beschreiben Wissenschaftler in aktuellen Studien ein Phänomen, bei dem Behörden und Gerichte von einer Welle KI-generierter Anträge, Einsprüche und Anfragen überrollt werden. Durch den einfachen Zugang zu autonomen KI-Agenten steigt das Volumen formeller Eingaben drastisch. Was früher juristisches Fachwissen oder stundenlanges Verfassen erforderte, erledigen generative Algorithmen heute in Sekundenschnelle auf Knopfdruck. Das stellt die Verwaltung vor massive administrative Hürden. Sachbearbeitende müssen formal korrekte und komplex formulierte Schriftsätze einzeln prüfen, selbst wenn diese inhaltlich banal oder fehlerhaft sind. Wie Berichte über Überlastungen an Sozial- und Arbeitsgerichten verdeutlichen, führen massenhafte Eilverfahren und Widersprüche zu langen Bearbeitungszeiten und drohendem Fristverzug. Einerseits demokratisieren KI-Systeme den Zugang zu Bürgerrechten. Andererseits droht der Kollaps der behördlichen Handlungsfähigkeit, wenn analogen Prüfstrukturen eine hochskalierte KI-Automation gegenübersteht. Rechtsexperten und GovTech-Initiativen plädieren daher dafür, Verwaltungsprozesse durch eigene KI-Schutzfilter zu modernisieren, um automatisierte Anträge frühzeitig zu strukturieren und die Einsatzfähigkeit der öffentlichen Hand zu sichern. |
Open Living
↑ OPEN LIVING - A Data Center You Can Live in, Ari Kuschnir (August 2026, YouTube) Der Bau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz stößt weltweit auf wachsenden Widerstand. Laut Bloomberg blockierten Gegner in den USA im ersten Halbjahr landesweit 120 Projekte im Wert von fast 200 Milliarden Dollar. Die NZZ berichtet, dass rund zwei Drittel der Amerikaner Rechenzentren in ihrer Umgebung ablehnten. In Texas traten (selbst) republikanische Politiker in einigen Gemeinden bereits auf die Bremse. Kritisiert werden vor allem der hohe Energie- und Wasserbedarf, Lärm sowie mangelnde Transparenz. In Hazle Township im US-Bundesstaat Pennsylvania bot ein Entwickler jeder Familie 10.000 Dollar, doch viele Anwohner lehnten ab und sahen darin einen Bestechungsversuch. Die Gemeinde verhängte daraufhin einen vorläufigen Baustopp. |
Ensh*ttification
↑ The Life of Death and the Ensh*ttificator (September 2026, YouTube) Der vom Blogger und Journalisten Cory Doctorow geprägte Begriff „Ensh*ttification“ beschreibt den systematischen Qualitätsverlust (digitaler) Dienste. Das Phänomen verläuft meist in drei Phasen: Erst bieten Plattformen privaten Nutzerinnen und Nutzern einen hohen Mehrwert. Haben sie eine kritische Masse erreicht, verlagern sie den Fokus auf Firmen- und Werbekunden. Schließlich wird der Mehrwert gegenüber privaten wie gewerblichem Kunden zugunsten des eigenen Gewinns abgeschöpft, worunter Funktionalität und Nutzererfahrung leiden. Was ursprünglich für Plattformen wie Online-Netzwerke oder Marktplätze definiert wurde, zeigt sich zunehmend auch bei physischen Konsumgütern. Wie das WZB Berlin in Untersuchungen zu Marktkonzentration und Konsumentenwohlfahrt beleuchtet, führen sinkender Wettbewerb und Lock-in-Effekte dazu, dass Anbieter Qualität reduzieren oder Funktionen hinter Abonnements sperren können, ohne Kunden direkt zu verlieren.
Beispiele reichen von verkleinerten Produktgrößen im Einzelhandel bis hin zu Hardware, deren volle Funktionalität erst durch kostenpflichtige Software-Updates freigeschaltet wird.Experten sehen in dieser Entwicklung eine Folge fehlenden Wettbewerbsdrucks und fordern strengere Regulierungen sowie stärkere Verbraucherrechte. Ryland: So, you really think all this is going to work? ↑ aus: Der Astronaut – Project Hail Mary |
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